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Archiv: Die Gründung der Elterninitiative krebskranker Kinder vor 10 Jahren

Quelle: Lichtblicke 1995

Die Zeit war reif für die Gründung von Elterninitiativen. Wir in Augsburg waren nicht die einzigen in Deutschland, die zur gleichen Zeit über dieses Thema nachdachten oder damit begonnen hatten. Wir waren genau zu dieser Zeit mit unserem Sohn wegen einer Leukämietherapie in Behandlung. So lag es nahe, daß wir uns mit diesem Gedanken beschäftigten. 10 Jahre sind eine lange Zeit und in der Erinnerung verklärt sich so manches. So soll hier auch auf das zurückgegriffen werden, was ich vor 10 Jahren schrieb. Gegen Ende der Therapie bat uns die damalige Bundestagsabgeordnete Petra Kelly, einen Beitrag für ihr Buch "Viel Liebe gegen Schmerzen" (erschienen im roro-Verlag) zu schreiben. Mein Beitrag endete damals mit dem ersten Bericht von unserer Elterninitiative:

"Die Psychologin der Kinderklinik möchte uns zur Teilnahme an einer Elterninitiative bewegen. Ich habe aus psychologischer Sicht Bedenken, und ich habe Angst, daß mein Gleichgewicht durch Erlebnisse anderer Eltern gestört werden könnte. Nach vielen Diskussionen mit Ärzten, Schwestern, Kollegen und Freunden machen wir zögernd mit. Der bisherige Erfolg liegt weit über meinen Erwartungen. Wir können uns wirklich gegenseitig Hilfe geben durch den Austausch von Erfahrungen. Wir können Gelder sammeln, um die Situation der Kinder in der Station weiter zu verbessern, und wir haben gesehen, daß wir verwaisten Eltern Stütze sein können, und das gerne! In der Zwischenzeit hat sich die Elterninitiative als Verein konstituiert, hauptsächlich wegen der ordnungsgemäßen Verwaltung der Spenden."

Aus meiner heutigen Sicht muß ich noch feststellen, daß einer der Hauptgründungsväter letztendlich doch Professor Neidhart war, der seiner Zeit weit voraus die psychosoziale Situation aller Beteiligten auf der Krebsstation sehr sorgfältig in Balance hielt. Auch der damalige Oberarzt Dr. Claus Schröder spielte für die Entstehung der Gruppe eine wichtige Rolle. Aber auch ein Teil meiner psychologischen Bedenken holt uns später ein. So stellte sich heraus, daß Geld sammeln und Selbsthilfe geben in einem konträren Verhältnis standen. Das eine braucht Trara und das andere braucht Stille. Beides gleichzeitig wird in einer so sensiblen Gruppe wohl nicht möglich sein.

Dr. Bernd Wißner, Gründungsvorsitzender der Elterninitiative krebskranker Kinder