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Archiv: 10 Jahre ElterninitiativeQuelle: Lichtblicke 1996
Ansprache von Helga Berghammer Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Mitglieder der Elterninitiative, werte Gäste, meine sehr verehrten Damen und Herren, 10 Jahre Elterninitiative krebskranker Kinder Augsburg e.V.: 10 Jahre bangen, hoffen, freuen, aber auch ein wichtiger Meilenstein und ein bedeutendes Ereignis; ein Anlaß, der es wert ist, gewürdigt und gefeiert zu werden. Darum möchte ich Ihnen, sehr verehrter Herr Oberbürgermeister, ganz herzlich dafür Dank sagen, daß wir unser 10jähriges Bestehen hier im "Goldenen Saal" mit einer Feierstunde begehen dürfen. Es ist für mich eine außerordentliche Ehre und eine große Freude, Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren hier zu begrüßen und Ihnen unseren Dank und unsere Anerkennung auszusprechen. Sie haben uns 10 Jahre Ihr Vertrauen geschenkt und durch Spenden, durch Aktionen und persönlichen Einsatz uns und somit den krebskranken Kindern und Jugendlichen und deren Familien Ihre Solidarität bewiesen. An einem Festtag wie heute ist es ganz selbstverständlich zurückzuschauen und die Menschen, die den Verein begleitet haben, an sich vorüberziehen zu lassen. Im Spätsommer 1984 startete ein nichtbetroffener Vater, unser Mitglied Peter Lusser - zwei mit ihm befreundete Familien waren damals von dem Problem "Krebs bei Kindern" betroffen, - den Versuch, das Nürnberger Modell nach Augsburg zu übertragen. Durch einen Zeitungsartikel hatte er erfahren, daß der damalige Chefarzt der onkologischen Abteilung an der Kinderklinik Augsburg, unser sehr geschätzter Professor Neidhardt, betroffene Eltern zu einer Gruppe zusammenbringen wollte. Im Januar 1985 trafen sich 30 Mütter und Väter krebskranker Kinder, um eine Selbsthilfegruppe zu bilden. Im April 1985 kamen wir, d.h. nachdem bei unserem Sohn Claus ein Osteosarkom diagnostiziert worden war, durch ein Gespräch mit Professor Neidhardt zu dieser Gruppe. Schnell stellte sich heraus, daß alleine durch den Erfahrungsaustausch nicht alle Probleme bewältigt werden können. Unser besonderer Dank gilt deshalb den "Ersten". Sie waren es, die trotz ihrer kranken oder bereits verstorbenen Kinder am 10. Mai 1985 beschlossen, einen Verein zu gründen. Von der Mitgliederversammlung wurden gewählt: zum 1. Vorsitzenden Dr. Bernd Wißner, zu seinem Stellvertreter Karl Erich Kamp sowie mein Mann Siegfried Berghammer zum Kassierer. Am 19. Dezember 1985 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister unter dem Namen "Elterninitiative krebskranker Kinder Augsburg e.V." Im Juli 1987 konnten wir, nachdem uns die Schwestern unserer Station ihren Sozialraum zur Verfügung gestellt hatten, das Elternzimmer übergeben. Mit Hilfe von Handwerkern und einer Spende der Deutschen Krebshilfe konnte der Umbau erfolgen, und dieser Raum eingerichtet werden. Neue Aufgaben ohne eigene Erfahrungen bewältigen zu müssen, ist schwierig. Hier hat uns Gerd Koller tatkräftig mit seinem großen Organisationstalent geholfen und unterstützt. Er organisierte zusammen mit Norbert Nawarra am 4. Juni 1988 das 1. Straßenfest "Augsburger Künstler für krebskranke Kinder". Am 3. Juni 1989 fand das 2. Straßenfest statt, wieder auf dem Martin- Luther-Platz. Hier war sicherlich ein besonderes "High light" der Besuch der Herbstmilchbäuerin Anna Wimschneider. Sie hatte sich, nachdem ihr Herr Koller unsere Initiative vorgestellt hatte, spontan bereit erklärt, bei uns aufzutreten und aus ihrem Leben einige Geschichten zu erzählen. Unsere Politiker und Stadträte waren fleißig mit den Sammelbüchsen unterwegs, so daß auch dieses Straßenfest trotz Regens ein großer Erfolg wurde. Diese Zeit des großen Aufschwungs wurde jedoch am 14. November 1988 überschattet von der traurigen Nachricht vom Tode unseres sehr geschätzten Prof. Dr. Neidhardt. Prof. Neidhardt trat im Oktober 1972 in die Kinderklinik ein. Sein besonderes fachliches Interesse galt der Behandlung von Leukämien und Tumoren bei Kindern, ein anspruchsvolles onkologisches Spezialgebiet, das er in Augsburg als erster Krebskinderarzt mit modernsten Methoden einführte und ausbaute. Sein erstes Bestreben nach Übernahme der Klinikleitung war die Einrichtung einer Intensivpflegestation für die Kinder seiner Klinik. Auch das Rooming-in, die Mitaufnahme von Müttern mit ihren kranken Kindern in die Klinik, förderte er mit Nachdruck. In besonderer Weise nahm er sich um die krebskranken Kinder an, um deren Leben er in langwierigen, meist sehr belastenden Behandlungen zusammen mit seinen Mitarbeitern und den Eltern unermüdlich rang. In diesen Jahren wurden in der von Prof. Neidhardt geleiteten Kinderklinik, dem einzigen pädiatrischen Krebszentrum des Regierungsbezirks Schwaben, 30 bis 35 Krebskinder jährlich neu aufgenommen, vom Säugling bis zum Schulentlassenen. Viele von ihnen wurden geheilt. Zusammen mit uns, der Elterninitiative krebskranker Kinder, die er mit aufbauen half und unterstützte, sorgte er dafür, daß der Klinikaufenthalt für die betroffenen Kinder weitgehend seinen Schrecken verlor. Die medizinwissenschaftlichen Fähigkeiten von Chefarzt Prof.Dr.Neidhardt wurden unter anderem dadurch honoriert, daß ihm vom Bundesgesundheitsministerium die Leitung einer bundesweiten Studie übertragen wurde, die den Zweck verfolgte, die besten Behandlungsmethoden bei kindlichen Kleinhirntumoren zu ermitteln. Im Rahmen dieser Studie wurde deshalb am 1. April 1985 Frau Dr. Gnekow als Projektassistentin eingestellt. Mit sehr großem Einsatz hat Frau Dr. Gnekow Ende 1988 alleine an dieser Studie weitergearbeitet. Trotz dieser immensen Belastung ist sie unserer Station treu geblieben und arbeitet derzeit als Funktionsoberärztin in der onkologischen Abteilung. Die kommissarische Leitung der 1. Kinderklinik wurde bis zur Neubesetzung der Chefarztstelle Oberarzt Dr. Karl-Heinz Klein übertragen. Am 15. November 1989 übernahm Prof. Dr. Peter Heidemann die Leitung der 1. Kinderklinik Augsburg. Mit ihm erhielten wir einen Chefarzt, der die onkologischen Anforderungen mit seinem Spezialgebiet Endokrinologie hervorragend zu verbinden versteht. In seinen Studien befaßt er sich mit der Kombination von Krebsheilkunde und Hormonwissenschaft mit dem Ziel, deren Einfluß von Hormonen aus der Nebennierenrinde oder des Sexualbereiches auf Tumoren zu klären. Weitergeführt hat Prof.Heidemann auch die von seinem Vorgänger eingerichtete Nachsorge-Ambulanz für Krebskinder. Daß die Elterninitiative und besonders unsere krebskranken Kinder und Jugendlichen Freunde haben, haben sie uns mit ihren vielfältigen und ideenreichen Aktionen immer wieder gezeigt. Einige seien hier stellvertrend genannt. So findet z.B. seit neun Jahren ein von der Betriebssportgruppe Kegeln der JVA Landsberg organisiertes Kegelturnier statt, das unterstützt wird vom Kegelzentrum Augsburg und der AOK Augsburg. Von den Keglern der Augsburger Behördenrunde bekommen wir seit vielen Jahren das berühmte "Ju-Zehnerle". In einer ganz anderen Aktion haben drei Mertinger Hausfrauen Backrezepte zusammengetragen und ausprobiert. Herausgekommen ist das Buch die "Mertinger Backstub'". Ein anderes Buch heißt "Vom Apfelschnitz zum Zwiebelzopf", herausgebracht von sechs Bobinger Hausfrauen. Von beiden Gruppen wurde unsere Initiative großzügigst unterstützt. Ein Beispiel für Gemeinsinn sind auch die zu unseren Gunsten durchgeführten Theateraufführungen, Bazare, Konzerte, Ausstellungen und Tombolas, die uns zeigen, daß sie, die sie diese Aktionen organisierten und durchführten, ein Herz für unsere Kinder haben. Statt Geburtstagsgeschenke bitten sie um Spenden für unsere Kinder, und auch bei Firmenjubiläen wird für unsere Aufgaben und Ziele gesammelt und gespendet. Unterstützung haben wir erfahren durch eine, vom Sportverein Münster organisierte, Wohltätigkeitsaktion mit Sommernachtsfest, einem Prominenten-Fußballspiel sowie einem Fan-Club-Turnier. Unter dem Motto: "Merching hilft krebskranken Kindern" waren die Merchinger aufgerufen, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen, und ganz Merching und Umgebung feierte für einen guten Zweck. Ein Drahtzieher ging zum "Klingelputzen". Nicht reden, sondern handeln. Dieses Motto machte sich ein Schwabmünchener über mehrere Monate zu eigen. Nachhaltig in Erinnerung blieb ihm ein Erlebnis vom ersten Tag seiner Initiative. Ein vierjähriges Mädchen hatte vom Sammelwunsch an der Haustüre gehört, lief zum Sparschwein, um darauf 50 Pfennige für die krebskranken Kinder locker zu machen. Eine weitere große Aktion war die Erlebnisbackstube im Schwabencenter für Kinder aus Augsburger Kindergärten mit anschließender Christbaumversteigerung (die Bäume wurden mit dem Selbstgebackenen der Kinder geschmückt). Im Vorfeld zu dieser Aktion konnten wir Fred Rai gewinnen, zusammen mit uns in seiner Westerncity ein Country- und Westernfestival zu veranstalten, das uns half, unsere Wünsche und Ziele weit über unsere schwäbische Heimat hinaus bekannt zu machen. Ein besonderes Dankeschön hier den Augsburger Off-Roadern, die uns über beide Tage ein zusätzliches tolles Programm boten. Diese Aufzählung ließe sich noch endlos fortführen. Ich möchte es jedoch bewußt bei diesen Aktionen von Nichtmitgliedern belassen. Zugleich möchte ich mich jedoch bei allen entschuldigen, die ich nicht erwähnt habe. Sie sehen also, jeder, der in diesen zehn Jahren dazu beigetragen hat, daß die Elterninitiative ihre Aufgaben und Ziele verwirklichen konnte, darf stolz auf seine Leistung sein. Ihre großartige Unterstützung hat uns ermutigt, ein weiteres großes Projekt in die Tat umzusetzen, den Bau des Elternhauses. Wesentliche Starthilfe und Unterstützung bekamen wir durch eine großzügige Finanzierungszusage von der Bayerischen Landesstiftung. Wie bereits eingangs erwähnt, hat uns Frau Rohrhirsch-Schmid einen großen Zuschuß aus der "von Hoesslin'schen-Stiftung" vermittelt. Auch die Deutsche Krebshilfe steuerte mit einer großzügigen Finanzspritze zum Bau des Elternhauses bei. Ein striktes Prinzip unserer Initiative ist die ausschließlich ehrenamtliche Arbeit, und dieses Prinzip werden wir auch konsequent durchhalten. Daß all' diese großartigen Aktionen und Spenden möglich waren, führe ich unter anderem auch auf diese Tatsache zurück. Ich darf Ihnen allen versichern, daß Ihre Spenden ohne irgendwelche Abzüge, Gehälter, Löhne oder Honorare ihrem gewünschten Zweck zugute kommen. So möchte ich Sie alle recht herzlich bitten und zugleich auffordern, helfen Sie uns weiter, denn dann können auch wir weiterhelfen. In diesem Sinne danke ich für Ihre Aufmerksamkeit. |
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Elterninitiative krebskranker Kinder Augsburg e.V.
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