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Archiv: Das Elternhaus ist seiner Bestimmung übergeben

Quelle: Lichtblicke 1996

Entstanden ist das Elternhaus für krebskranke Kinder durch die Initiative engagierter betroffener Eltern, deren Kinder ebenfalls eine so lebensbedrohliche Erkrankung durchmachen mußten. Dabei haben die Familien erfahren, daß es fast unmöglich ist, das kranke Kind zu betreuen, morgens und abends zwischen Heimatort und Klinik hin- und herzufahren, zu allen Jahreszeiten und bei jeder seelischen Verfassung. Diese Eltern haben es sich dann zu ihrer Aufgabe gemacht, ein Haus zu schaffen, das nahe der Klinik ist und die Möglichkeit bietet, ständig in der Nähe des Kindes zu sein, und trotzdem Abstand und Entspannung gewinnen zu können. Seit April 1996 ist dieses hochgesteckte Ziel verwirklicht: Das Elternhaus steht und wurde seiner Bestimmung übergeben.

Kosten:
Die Elterninitiative mußte für den Bau, der den Namen der Gründerin der Deutschen Krebshilfe, Mildred Scheel, trägt, rund 2,7 Mio. Mark aufbringen. Bezuschußt wurde die Einrichtung von der Bayerischen Landesstiftung (800 000 Mark), von der Deutschen Krebshilfe (440 000 Mark) und der von-Hoesslin'schen-Stiftung (200 000 Mark).

Besonderes Engagement bewies Anni Simm, eine betroffene Mutter, die von 1991 bis 1996 allein 245 000 Mark an Spenden gesammelt hat.

Das Innere des Hauses
Architekt Degle ist es gelungen, das Elternhaus in eine geprägte Umgebung einzubinden. Er hat eine familienfreundliche Atmosphäre geschaffen: das weiße Gebäude mit aufgesetztem Penthouse und farbigen Elementen bietet:
  • acht Schlafräume, ausgestattet mit je zwei Betten und einem Schlafsofa, eigener Naßzelle und Telefon, als Übernachtungsmöglichkeit für Familienangehörige des kranken Kindes;
  • im Erdgeschoß eine geräumige Wohnküche mit allen notwendigen Geräten von der Kaffeemaschine bis zur Spülmaschine und ausreichend Geschirr. Hier können Eltern ihre eigenen Mahlzeiten zubereiten oder etwas für ihre Patientenkinder kochen;
  • weiter einen Aufenthaltsraum zum gemütlichen Beisammensein, Fernsehen oder Spielen;
  • im Untergeschoß einen Gymnastikraum, Werk- und Bastelraum und ein Billardzimmer
  • ebenfalls im Untergeschoß ist ein Waschraum mit Waschmaschine, Trockner, Flügeltrockner und Bügelstation;
  • neben dem Eingang im Foyer befindet sich das Büro, in dem die Hausleitung tagsüber anwesend ist und sich der Sorgen und Probleme der Angehörigen annimmt.

Stimmen von Prominenten:
"Ein Licht der Hoffnung unter all' dem Leid" wünschte Weihbischof Josef Grünwald beim kirchlichen Segen den Betroffenen, "die hier eine schwere Zeit, vielleicht die schwerste ihres Lebens verbringen müssen". 40 bis 50 krebskranke Mädchen und Buben aus ganz Schwaben werden jährlich in der Kinderklinik behandelt.

Oberbürgermeister Dr. Menacher verwies auf die überregionale Bedeutung des Elternhauses. Das Projekt sei ein Höhepunkt im zehnjährigen intensiven Wirken der Initiative. Er lobte auch das Engagement der Elterninitiative. "Man jammerte nicht und griff nicht nach der öffentlichen Hand, sondern legte selbst Hand an, wurde kreativ. Wer immer ein Kind für längere Zeit im Krankenhaus hatte, weiß, was die Trennung des Kindes von den Eltern und Geschwistern bedeutet".

"Elementare Bedeutung" habe die ständige Anwesenheit der Eltern als vertraute Bezugspersonen, betonte Prof. Dr. Ulrich Göbel vom Medizinischen Beirat der Deutschen Krebshilfe. Hilfe in Notsituationen, Verbesserung der Therapie und Forschung und Stärkung des psychosozialen Umfeldes, Prävention und Früherkennung zählen zu den wichtigsten Zielen der Deutschen Krebshilfe. 21 Elternhäuser, die von der Deutschen Krebshilfe mit fünf Millionen Mark bezuschußt wurden, gibt es in der Bundesrepublik.

Prof. Dr. Manfred Bolkenius von der Kinderklinik sieht die neue Einrichtung als zukunftsweisend an. "Mit der Eröffnung des Elternhauses wird die Kinderklinik des Krankenhauszweckverbandes in ihrer Zielsetzung, kranken Kindern zur körperlichen, seelischen und sozialen Genesung zu verhelfen, um eine neue Dimension bereichert!" Dieses zukunftsweisende Haus wird sich in kurzer Zeit zu einem unverzichtbaren Instrument im Behandlungskonzept der Krebskrankheit entwickeln".